Phase 01
Erstgespräch & persönliches Kennenlernen

Am Anfang steht ein persönliches Gespräch in einem geschützten Rahmen. Wir nehmen uns Zeit, Sie und Ihre individuelle Situation kennenzulernen: Ihre Wünsche, Ihre Vorgeschichte und Ihre Erwartungen an den Eingriff.

Gemeinsam besprechen wir, welche Operationsform für Sie passend ist – zum Beispiel eine Vaginoplastik mit Vaginalkanal oder eine Vulvoplastik ohne Vaginalkanal. Danach legen wir die nächsten Schritte fest: Welche Unterlagen werden benötigt? Welche medizinischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Und wie sieht der weitere Ablauf aus?

Phase 02
Diagnose, Unterlagen & Voraussetzungen

Für die Kostenübernahme einer geschlechtsaffirmierenden genitalangleichenden Operation werden in Österreich derzeit weiterhin ICD-10-konforme Unterlagen benötigt. Die Diagnose dient der medizinischen Dokumentation und Antragstellung – sie bewertet nicht Ihre Identität.

Sobald ICD-11 in den österreichischen Prozessen vollständig umgesetzt ist, werden die Anforderungen entsprechend angepasst.
Für operative Eingriffe werden in der Regel zwei aktuelle fachliche Stellungnahmen sowie ein zusammenfassender Konsensbeschluss benötigt. Bereits vorhandene Stellungnahmen können häufig aktualisiert werden, sofern sie nicht mehr aktuell sind.

Benötigte Unterlagen:
Diagnose nach aktuell gültiger österreichischer ICD-Systematik, derzeit ICD-10
Zwei aktuelle fachliche Stellungnahmen
Zusammenfassender Konsensbeschluss
Urologische beziehungsweise uro-gynäkologische Untersuchung
Medizinisches Risikoscreening und Einschätzung der OP- und Narkosefähigkeit
Relevante Vorbefunde, Medikamentenliste und Informationen zu Vorerkrankungen

Phase 03
Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Sobald alle erforderlichen Unterlagen vollständig vorliegen, erstellen wir den medizinischen Antrag auf Kostenübernahme. Diesen reichen Sie bei Ihrer Krankenkasse ein.

Nach Prüfung durch die Krankenkasse erhalten Sie im Idealfall eine Kostenzusage. Die Bearbeitungsdauer kann je nach Kasse und Vollständigkeit der Unterlagen variieren. Die Kostenzusage ist in der Regel zeitlich befristet. Sollte sich der Operationstermin aufgrund der Warteliste verzögern, kann eine Verlängerung oder Erneuerung meist erneut beantragt werden.

Ablauf:
Unterlagen vollständig sammeln
Medizinischen Antrag erstellen lassen
Antrag bei der Krankenkasse einreichen
Kostenzusage an uns übermitteln
OP-Termin und Vorbereitung gemeinsam planen

Phase 04
Vorbereitung & OP-Termin

Mit vorliegender Kostenzusage und geplantem Operationstermin beginnt die konkrete Vorbereitung. In einem ausführlichen präoperativen Gespräch besprechen wir den Ablauf, die realistischen Ziele, mögliche Risiken und die Nachsorge.

Auch organisatorische Fragen sind wichtig: Wer unterstützt Sie nach der Entlassung? Ist ein Krankenstand organisiert? Sind die empfohlenen Hilfsmittel für die Nachsorge rechtzeitig vorbereitet – zum Beispiel Sitzkissen, Vaginaldusche oder Dilatationsset? Gibt es medizinische Faktoren, die vor der Operation noch optimiert werden sollten?

Checkliste vor der Operation:
Kostenzusage liegt vor
Präoperatives Aufklärungsgespräch abgeschlossen
Medizinische Befunde vollständig
Empfohlene Hilfsmittel für die Nachsorge vorbereitet
Krankenstand organisiert
Unterstützung für die ersten Wochen zuhause geplant
Fragen zur Nachsorge, Wundpflege und Dilatation geklärt

Phase 05
Die Operation

Die konkrete Operationstechnik wird individuell festgelegt. Ziel ist eine funktionelle, ästhetisch stimmige und sensible feminisierende Genitalangleichung, die sorgfältig geplant und durchgeführt wird. Dabei orientieren wir uns an aktuellen internationalen Standards, insbesondere an den Empfehlungen der WPATH, sowie an der verfügbaren chirurgischen Evidenz. Die WPATH Standards of Care Version 8 sind ein internationaler Referenzrahmen für geschlechtsaffirmierende Gesundheitsversorgung.

I. Präparation und Gewebeerhalt
Zu Beginn werden die Hoden entfernt. Die Haut des Penisschafts wird sorgfältig von den tieferen Strukturen gelöst. Gewebe, das für die spätere Formung von Vulva, Vaginaleingang und gegebenenfalls Vaginalkanal benötigt wird, wird so weit wie möglich erhalten und vorbereitet.
II.
Bildung des Vaginalkanals
Wenn eine Vaginoplastik mit Vaginalkanal geplant ist, wird vorsichtig ein Raum für den Vaginalkanal geschaffen. Die Penisschafthaut und – je nach individueller Anatomie – zusätzliche Skrotalhaut können zur Auskleidung der Neovagina verwendet werden.
III. Klitorisbildung, kleine Labien und Sensibilität
Ein großer Teil der Glans, in der Regel etwa 70 Prozent, wird mit erhaltener sensibler Versorgung weiterverwendet. Das Gewebe wird sorgfältig vorbereitet, geformt und in die Gestaltung von Klitoris und kleinen Labien integriert. Dabei wird es im Bereich der Harnröhre präzise positioniert und fixiert. Das versorgende Gefäß-Nerven-Bündel wird besonders geschont. Ziel ist der bestmögliche Erhalt erogener Sensibilität und sexueller Funktion. In Studien ist ein großer Teil der Patientinnen nach feminisierender Vaginoplastik orgasmusfähig; eine systematische Übersichtsarbeit berichtet eine mediane postoperative Orgasmusfähigkeit von etwa 80 Prozent. Eine individuelle Garantie ist jedoch nicht möglich, da Sensibilität und sexuelle Funktion von mehreren Faktoren abhängen.
IV. Harnröhre und Wasserlassen
Die Harnröhre wird gekürzt und neu positioniert, damit Wasserlassen im Sitzen möglich ist. Dabei achten wir auf eine funktionelle Position, einen guten Harnabfluss und ein möglichst unauffälliges Erscheinungsbild.V. Formung der Vulva
Aus dem vorhandenen Genitalgewebe werden Vulva, Labien und Vaginaleingang rekonstruiert. Ziel ist ein natürlich wirkendes, funktionelles Ergebnis mit guter Wundheilung, guter Hygiene und langfristiger Stabilität.

Im Aufklärungsgespräch besprechen wir auch mögliche Risiken wie Nachblutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Sensibilitätsveränderung, Harnstrahlveränderung, Verengung des Vaginalkanals, Fisteln oder die Notwendigkeit späterer Korrekturoperationen.

Phase 06
Stationärer Aufenthalt

Nach der Operation bleiben Sie in der Regel etwa eine Woche stationär. In dieser Zeit überwachen wir Wundheilung, Kreislauf, Schmerzen, Harnableitung und den Beginn der Mobilisation.

In den ersten 24 bis 48 Stunden ist meist körperliche Schonung notwendig. Ein Verband und gegebenenfalls ein vaginaler Platzhalter unterstützen die frühe Heilungsphase. Sobald es medizinisch sinnvoll ist, beginnen wir gemeinsam mit den ersten Schritten der Nachsorge und erklären die weitere Pflege.
Während des stationären Aufenthalts:
Medizinische Überwachung nach der Operation
Schmerztherapie und Wundkontrollen
Katheter- und Verbandmanagement

Erste Mobilisation
Anleitung zur Hygiene und Wundpflege
Besprechung der weiteren Nachsorge
Gemeinsames Üben der Dilatation, sofern ein Vaginalkanal angelegt wurde
Entlassungsplanung und Klärung offener Fragen

Bitte bringen Sie die individuell empfohlenen Hilfsmittel zum stationären Aufenthalt mit.

Phase 07
Nachsorge & langfristige Begleitung

Die Nachsorge ist ein wesentlicher Teil des Operationserfolgs. Gerade in den ersten Monaten braucht das Gewebe Zeit, Ruhe, Pflege und eine regelmäßige Nachsorge. Wenn ein Vaginalkanal angelegt wurde, gehört auch die Dilatation nach einem individuell besprochenen Schema dazu.

Erste 3 Monate:
Regelmäßige Wund- und Verlaufskontrollen
Schonende Hygiene und Wundpflege
Dilatation nach individuellem Schema, sofern ein Vaginalkanal angelegt wurde
Anpassung von Pflege, Schmerztherapie und Nachsorgeroutine bei Bedarf
Begleitung bei Fragen zu Alltag, Belastung und Heilungsverlauf

Monat 3 bis 6:
Kontrolle von Wundheilung, Narben, Funktion und Sensibilität
Anpassung der Dilatationsroutine je nach Heilungsverlauf
Besprechung von Alltag, Belastbarkeit, Sexualität und Beckenboden
Weitere Verlaufskontrollen

Ab Monat 6:
Langfristige Kontrollen nach individueller Empfehlung
Begleitung bei funktionellen Fragen, Narben, Sensibilität oder ästhetischen Korrekturwünschen
Bei Bedarf interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Gynäkologie, Physiotherapie, Psychotherapie oder Sexualberatung

Unser Ziel ist nicht nur eine Operation, sondern eine kontinuierliche, respektvolle und fachlich fundierte Begleitung – vor, während und nach dem Eingriff.

Feminisierende Genitalchirurgie ist keine Standardoperation. Sie braucht Präzision, Erfahrung, Vertrauen und eine gute Begleitung – Schritt für Schritt.